Wahrnehmung mit allen Sinnen ist die grundlegende Voraussetzung für Bewegung, Denken, Handeln, Verhalten und Sprache. Der logische Schluß daraus: Wenn die Wahrnehmung gestört ist, äußert sich das durch Auffälligkeiten in der Bewegung, im sozialen Verhalten, in der Sprache, in den emotionalen Äußerungen. Mit Ungezogenheit, Bosheit oder Faulheit hat das ebenso wenig zu tun wie mit schlechter Erziehung. Dieses Buch will Eltern und Erziehern ein Gespür für solche Zusammenhänge geben.
von Steininger, Rita
Klett-Cotta, 2008, 2., durchges. Aufl., Reihe Kinder fordern uns heraus
Buch, KT, 197 S., 252 g
ISBN: 978-3-608-94529-4
Bestellnummer: B-567-004
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Preis: 13,00 EUR (inkl. MwSt.)
In diesem Buch erfahren Eltern, an welchen Anzeichen sie mögliche Wahrnehmungsstörungen bei Kindern erkennen können. Anhand von einfachen Experimenten erleben sie hautnah, wie sich betroffene Kinder fühlen. Von da ist der Weg zu einer ""sinn-vollen"" Förderung im Alltag nicht mehr weit. Nicht zuletzt stellt das Buch wichtige Hilfs- und Fördermöglichkeiten vor und führt eine Fülle von nützlichen Adressen an.
LESEPROBE aus dem 4. Kapitel:
Förderung beginnt im Alltag
Die erste und wichtigste Möglichkeit, ein Kind mit Wahrnehmungsstörungen zu unterstützen, besteht natürlich darin, fachlich kompetente Hilfe in Anspruch zu nehmen. Leider sieht die Situation abseits der Ballungszentren nicht immer rosig aus. Es kann schwierig sein, geeignete Therapieangebote in erreichbarer Nähe zu finden (siehe Hinweise auf Seite 174-183). Oder es sind lange Wartezeiten in Kauf zu nehmen. Doch ganz gleich, wie gut oder schlecht die Chancen für eine Therapie stehen, die Eltern sollten nicht tatenlos bleiben, sondern jede Möglichkeit nutzen, ihr Kind selber aktiv zu unterstützen.
Weg mit den bequemen Haushaltsgeräten!
So banal es klingen mag, gerade die alltäglichen Dinge im Haushalt spielen für die Wahrnehmungsförderung eine wichtige Rolle. Dazu gehören die Arbeiten, die wir, weil sie uns lästig sind, gern praktischen Geräten überlassen: der Küchenmaschine, dem Handmixer, der Spülmaschine, dem Staubsauger, der Waschmaschine. Keine Sorge, diese praktischen Helfer müssen Sie gewiss nicht aus Ihrem Haus verbannen. Versuchen Sie jedoch, so weit wie möglich auf sie zu verzichten, wenn Sie Ihr Kind zu kleinen häuslichen Aufgaben heranziehen.
Teig rühren
Wenn Sie das nächste Mal einen Teig rühren, zum Beispiel für Pfannkuchen, lassen Sie Ihr Kind mithelfen. Der Handmixer bleibt schön in der Schublade, denn mit dem Schneebesen geht es fast genauso gut. Beziehen Sie Ihr Kind schon in die Vorbereitung ein. Bitten Sie es, Rührschüssel, Schneebesen und alle Zutaten bereitzustellen. So lernt es, bei der Planung und Ausführung eines Vorhabens systematisch vorzugehen.
Jetzt geht es an die Zubereitung: Das Mehl wird in die Schüssel geschüttet, dann kommen nach und nach Zucker, Eier und Milch hinzu. Beim Aufschlagen der Eier brauchen kleinere Kinder vielleicht Hilfe, weil sie den Krafteinsatz noch nicht richtig dosieren können. Aber viel kann ja nicht schief gehen! Nun muss der Teig gerührt werden.
Am Anfang geht das schwer, denn die Milch darf nur portionsweise zugegeben werden, damit der Teig nicht klumpt. Das nimmt die Muskeln ordentlich in Anspruch und Ihr Sprössling braucht vermutlich erneut Unterstützung. Stellen Sie sich am besten hinter das Kind und legen Sie Ihre Arme um seine Schultern, sofern ihm das angenehm ist. Das vermittelt ihm Sicherheit und wichtige Spürerfahrung. Dann umschließt Ihre Hand die seine, und gemeinsam rühren Sie in kreisenden Bewegungen den zähen Teig. Falls das Kind zu einseitigem Arbeiten neigt, das heißt eine Körperhälfte dabei gern außen vor lässt, halten Sie es um die Taille, damit es nicht zur Seite ausweicht. Das Kind soll die Rührschüssel mit der einen Hand so festhalten, dass sie sich genau vor seiner Körpermitte befindet. So arbeitet es beidhändig und überkreuzt beim Rühren die Körpermittellinie.
Teigrühren regt die Wahrnehmung in vielfältiger Weise an. Die Form und die Ausmaße der Rührschüssel vermitteln dem Kind eine räumliche Vorstellung. Der Krafteinsatz und die Bewegungen beim Eieraufschlagen und Umrühren üben die kinästhetische Wahrnehmung. Der koordinierte Einsatz der Arme (die Rührschüssel halten und gleichzeitig umrühren) trainiert die Körperkoordination und das Überkreuzen der Mittellinie. Die Berührungsreize beim Halten der Geräte und der Körperkontakt sprechen seine taktile Wahrnehmung an. Mit dem Sehsinn wird außerdem ständig die Konsistenz des Teiges überprüft. Und wetten, dass das Kind auch den Geschmackssinn nicht auslassen wird und mit dem Finger wenigstens einmal kosten möchte?""
AUTORENPORTRÄT
Rita Steininger, hat Ethnologie (M.A.), Politikwissenschaft, Anthropologie und Humangenetik studiert. Heute tätig als freie Lektorin, Journalistin und Autorin mit Veröffentlichungen zu Themen aus den Bereichen Wissenschaft, Medizin, Psychologie und Kulturgeschichte.
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hinzugefügt am 06.05.2009 / letze Änderung am 12.01.2010
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