Zwei Schweizer, Peter Jaeggi und Hugo Jaeggi, dokumentieren das Jahr 12 nach der Reaktorkatastrophe in Tschernobyl. Schülerinnen und Schüler haben für das Projekt Aufsätze geschrieben. Diese sind, zusammen mit eindrucksvollen Fotos, in diesem Buch veröffentlicht. Die belarusische Übersetzerin hat nach eigenen Worten geweint, als sie die Texte übersetzen musste. Wenn sie sich heute an das gemeinsame Buchprojekt erinnert, schreibt sie: -Mir sind Tschernobyl und seine Folgen erst im Jahre zwölf nach Tschernobyl bewusst und klar geworden. Bis dahin waren das Märchen, Geschichten, Gerüchte, die man im Familienkreis erzählt hat. Als ich 13 war (1987) gab es eine Sterbewelle von alten (und nicht mal so alten) Menschen; diejenigen, die in Tschernobyl waren, sind mit dunklen Flecken übersät gestorben; länger gelebt haben diejenigen, die jeden Tag Wodka getrunken haben? und so weiter. Was ich so aufschnappte und mir in Erinnerung blieb. Ich werde aber nie die Suche nach Seife und Shampoo, die nicht in Gomel produziert worden sind, vergessen. Da hat meine Mutter großen Wert darauf gelegt. Ich habe zwar verstanden, dass Tschernobyl daran schuld war, aber welche Folgen das wirklich haben kann, habe ich erst bei diesem Projekt verstanden.-
von Serhej Bruschko
AT-Verlag, 1998
Buch, Pb, 248 S., 28 x 22
ISBN: 978-3-85502-637-1
Bestellnummer: B-148-040
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"Boris Kasatschok ? Der erste Teil des Namens kommt von Boris Patsernak, der zweite - von einem alten Mann, der uns in einem Dorf nahe der 30-KM-Zone vor seinem halb verfallenen Haus begegnet ist. Man sieht ihn auch im Buch ?Das Buch? Ein Katalog zur Ausstellung, die zwei Schweizer zusammen mit zwei Belarussen gemacht haben. Jeweils ein Fotograf und ein Journalist. Ich war dabei. Als Dolmetscherin, als interkulturelle Brücke, als notwendige Hilfe und Unterstützung, um im Land zurecht zu kommen.
Es war kurz vor meinem 24. Geburtstag: meine Professorin fragte, ob ich mal was dazu verdienen wollte. Klar, warum denn nicht. Die Aufgabe - Übersetzung und Begleitung von einem schweizerischen Team.
So habe ich sie kennen gelernt - Peter Jaeggi und Hugo Jaeggi. Die Beiden sind nicht verwandt, obwohl sie gleiche Namen haben. Ihr Ziel - Belarus im Jahre 12 nach Tschernobyl in allen Facetten zu zeigen. Diese Worte - "in allen Facetten" - kamen später öfters vor: bei Gesprächen, Vorstellungsrunden, Interviews?
Das ist ihnen gelungen?
Fast ein Monat lang habe ich das schweizerische Team begleitet und mein Land kennen und lieben gelernt. Was war Tschernobyl für mich vorher?... Der Anlass dafür, an der Uni ein Fach mehr belegen zu müssen ("Radioaktivität und Umgang damit"), ein Ungerechtigkeitsgefühl, weil "Tschernobylkinder" (ich komme selber aus Vitebsk, einem angeblich "sauberen" Gebiet) Vorteile bei den Aufnahmeprüfungen in der Uni bekommen haben, weil sie bevorzugt Studentenwohnheimplätze erhielten, die es nicht ausreichend für alle gab?
Während der drei Wochen, die ich unterwegs war, hat sich das Weltbild für mich gewandelt. Der Schmerz ist zum Greifen nah geworden? Verlassene Häuser, Augen der Kinder, spielende Schüler, tanzende Volksgruppen, Hochzeiten?und Tschernobyl. Atom. Gefahr, die man weder spüren noch sehen noch riechen kann.
Schülerinnen und Schüler haben für das Projekt Aufsätze geschrieben. Sie sind im Buch veröffentlicht. Ich habe geweint, als ich sie übersetzen musste. Mir sind Tschernobyl und seine Folgen erst im Jahre zwölf nach Tschernobyl bewusst und klar geworden. Bis dahin waren das Märchen, Geschichten, Gerüchte, die man im Familienkreis erzählt hat. Als ich 13 war (1987) gab es eine Sterbewelle von alten (und nicht mal so alten) Menschen; diejenigen, die in Tschernobyl waren, sind mit dunklen Flecken übersät gestorben; länger gelebt haben diejenigen, die jeden Tag Wodka getrunken haben? und so weiter. Was ich so aufschnappte und mir in Erinnerung blieb. Ich werde aber nie die Suche nach Seife und Shampoo, die nicht in Gomel produziert worden sind, vergessen. Da hat meine Mutter großen Wert darauf gelegt. Ich habe zwar verstanden, dass Tschernobyl daran schuld war, aber welche Folgen das wirklich haben kann, habe ich erst bei diesem Projekt verstanden.
"Die Hoffnung stirbt zuletzt. Belarus 12 Jahre nach Tschernobyl." So heißt das Buch. So hieß die Ausstellung. Von zwei Meisterfotografen und zwei Spitzenjournalisten gemacht, die ihre Meinung zum Ausdruck gebracht haben.
Ich bin aber keine Fotografin und keine Journalistin. Ich bin ein ganz normaler durchschnittlicher "Otto-Normalverbraucher". Nur weiblich und weißrussisch. Und seit acht Jahren kämpfe ich gegen die Angst, ein Kind zu bekommen. Ein Kind, das ggf. durch meine Besuche in der verstrahlten Zone und mein Leben in Belarus behindert und womöglich nicht lebensfähig sein könnte. Das ist nicht rational. Das ist gegen jede Wissenschaft. Das ist menschlich.
Aber im Projekt habe ich auch ein neues Leben für mich entdeckt - voller Freude und Trotz und Überlebenskunst. Und Lebensperspektive? Koste, was es wolle!-
Quelle: Boris Kasatschok, den 01.03.2006
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hinzugefügt am 09.03.2006 / letze Änderung am 12.01.2010
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